Sonntag, 6. September 2015

[Rezension] Jetzt - Leon Reiter

Trotz einem für mich relativ voll gepacktem Wochenende gibt es heute mal wieder einen neuen Post. Viel Spaß!

Allgemeines:
Titel: Jetzt
Originaltitel: Jetzt
Autor: Leon Reiter
Verlag: Piper 
Quelle (gilt ebenso für Cover und Klappentext)

Einleitung:
Und noch ein Buch, welches ich zu meinem Geburtstag bekam. Irgendwie war mir mal das Cover aufgefallen und der Klappentext machte Lust auf deutlich mehr. Und so hat es dann irgendwann den Weg zu mir gefunden.

Cover:
Jetzt
Das Cover ist erst mal relativ schlicht aber doch mal was anderes, mit seiner zersplitternden Schrift. Das hat mir bei diesem Cover super gefallen.
Leider taucht dieses zersplittern im Buch lediglich auf einer höheren Abstraktionsebene auf und ist nicht direkt inhaltlich begründet.
Durch die Schrift hindurch ist ein blauer Himmel(?) zu erkennen, von dem ich nicht genau weiß, wie ich ihn einordnen soll, da er mir erst mal relativ nichtssagend erscheint, ich mir aber auch vorstellen könnte, dass er einen bestimmten Hintergrund hat, den ich übersehen habe.

Inhalt:
Bei einem Experiment zur Erforschung der Zeit unterlief dem Wissenschaftler Sivamani ein folgenschwerer Fehler - nun droht das Gefüge der Welt von Anomalien, sogenannten Zeitblasen, durchlöchert zu werden. Noch kann Sivamani die Anomalienbildung eindämmen, doch wie lange? Der einzige Weg, das Chaos aufzuhalten, ist, in einer Zeitblase zurückzureisen und das Experiment vorher zu stoppen. Doch das ist nicht einfach – niemand weiß, in welche Zeit und an welchen Ort eine solche Blase führt, und die Gefahr von Zeitparadoxa ist groß. Ein kleines Team aus vier europäischen Spezialisten soll die streng geheime Mission ausführen - die Jagd nach der richtigen Zeit beginnt …
Diese Inhaltsbeschreibung ist dem Inhalt entsprechend. Leider steht diese im inneren des Buches (und auf der Verlagsseite). Der egtl. Klappentext klingt doch ein ganzes Ende anders und ich würde gerne wissen, was sich dabei gedacht wurde. Er wurde überdramatisch beschrieben und geht auch ein wenig am eigentlichen Inhalt vorbei. Das geht besser!
Der Inhalt selbst war sehr geradlinig. Im wesentlichen betritt das Forschungsteam eine Zeitblase nach der nächsten und neben kleinen Gesprächen passiert drum herum nicht übermäßig viel. Der Fokus liegt sehr extrem auf dem Team und dem Betreten der Zeitblasen.
Es ließ sich dennoch (oder deswegen?) sehr flüssig lesen. Eine gewisse Spannung war da, aber sie war eher konstant als kurvenartig.
Der Autor hat es aber geschafft, die einzelnen Zeitblasen sehr lebendig und zumeist realistisch zu beschreiben, sodass jede Blase ihren eigenen Charme hatte und man dadurch Lust hatte, weitere Zeitblasen zu entdecken und dadurch weiter zu lesen.
Ganz konnte es über die Monotonie dann aber nicht hinweg täuschen.

Charaktere:
Die vier Hauptcharaktere waren zum Teil doch relativ klischeehaft. Da waren zum Beispiel der Soldat, der es gewohnt es befehlen zu folgen und seine Emotionen zum Teil unterdrückt oder der schüchterne Nerd, der sich nicht wirklich traut, Frauen anzusprechen. Diese Klischees wurden zwar ein bisschen aufgebrochen, waren aber dennoch zu erkennen.
Ich habe mich auch ein bisschen über die Arbeit in der vierer Gruppe gewundert. Ich hatte das Gefühl, dass ein Charakter von seiner Funktion her beliebig hätte ersetzt würden können und eine zweite Person hat ebenso nicht all zu viel zu den Expeditionen beigetragen. Im nachhinein habe ich das Gefühl, dass zwei von vier Charakteren die ganze Arbeit gemacht haben, obwohl die anderen auch entsprechende Fähigkeiten hatten.
Die anderen Charaktere waren zwar nett, allerdings auch nicht viel mehr ausgearbeitet, als es für die Story notwendig war.
Insgesamt waren mir die Charaktere also ein biscshen zu oberflächlich und es wurde viel Spielraum verschenkt, schade.

Kritik:
Ein bisschen Kritik klang bereits in den ersten Teilen mit.
Besonders schade fand ich aber, dass man gegen Ende des Buches ein bisschen das Gefühl hatte, dass der Autor das Buch unbedingt beenden wollte/musste.
Das Buch ist in drei Hauptteile eingeteilt, wobei der finale Teil nur ca. 25 der 365 Seiten umfasst. Erschwerend kommt hinzu, dass Anfangs immer mehrere Seiten für eine Zeitblase aufgewendet werden, dies gegen Ende allerdings stark verkürzt wird. Zum Teil ist es bei erneuten Betretungen zwar nachvollziehbar aber gerade am Ende wirken ein bis zwei Betretungen zu stark gekürzt.
Zudem fand ich das Ende nicht wirklich befriedigend. Es gab soooo viele offene Fragen, dass ich gar nicht wüsste, wo ich anfangen sollte, diese aufzuzählen. Das Ende ist nicht einmal eindeutig und kann auf mehrere Weisen interpretiert werden. Gefällt mir jetzt nicht so wirklich, da innerhalb des Buchs viele Theorien aufgestellt wurde und es jetzt einfach jede oder keine davon sein könnte.
Ein weiterer Kritikpunkt beschäftigt sich unter anderem mit diesen Theorien oder umfassender, mit der Wissenschaft des Buchs.
Es gibt Autoren, die können einem erklären, wie man ein Gerät baut, wie man die Schwerkraft umkehren und somit neutralisieren kann oder wie es möglich ist, mehrere Gehirne durch die Einnahme einer Droge zu „verbinden“, sodass es auch noch möglich und realistisch klingt. Leider traf dies auf diesen Autor nicht so ganz zu. Es war eine Mischung aus wilden Theorien, da man sich auf neuem Gebiet bewegt, was noch verständlich ist. Leider kamen in diesen Wissenschaftscocktail dann noch Erklärungen, denen ich nicht so wirklich folgen konnte, unter anderem wohl dadurch, dass manche Grundsätze nicht weiter erläutert wurde. Es wurde z.B. immer nur gesagt, dass der Professor Licht durch die Zeit brechen wollte, aber nie, wie sowas denn möglich sein könnte. Um hier keinen falschen Eindruck zu erwecken, ich erwarte hier keine wissenschaftlichen Erklärungen aber irgendwelche Pseudoerklärungen hätten der Wissenschaft des Buches nicht geschadet. So hatte es leider was von einer unvollendeten bzw. nicht erläuterten Fantasie. Es existiert aber keiner weiß was genaues.

What else?:
Es war etwas ungewöhnlich, dass es in diesem Buch keine direkten Kapitel gab (besonders wenn man gerne bis zum Kapitelende liest). Das Buch ist in drei sehr unterschiedlich lange Teile eingeteilt. Der erste Teil umfasst ca. 70 Seiten, der dritte ca. 25 Seiten und der mittlere somit fast 300 (ca. 270) Seiten. Eine sehr komische Aufteilung.
Der erste Teil war dann komplett ohne weitere Unterteilung und somit 70 Seiten am Stück.
Im zweiten Teil wurde es dann zum Glück doch wieder unterteilt. Zum einen gibt es die Tage, welche in etwa Kapitel repräsentieren, auch wenn sie wohl ein bisschen größer gefasst waren. Innerhalb gibt es dann noch die Betretung der Zeitblasen, welche eine Art Unterüberschrift haben und somit auch gut als Lesestopp dienen konnten.
Insgesamt also für mich gewöhnungsbedürftig und eine Sache, die wohl erwähnt werden sollte, auch wenn ich sie nicht in die Wertung miteinbeziehen werde, da dies wohl hauptsächlich eine Geschmacksfrage ist.

Fazit:
Ein Buch mit einigen Ecken und Kanten, welches sich aber dennoch flüssig lesen ließ. Aus der Idee hätte man wahrscheinlich mehr machen können, da die Idee an sich wirklich gut war und die Welten hinter den Zeitblasen durch die Beschreibungen auch sehr lebendig gewirkt haben. Leider konnte dies dann aber doch nicht über die Kritikpunkte hinweg blicken lassen, wodurch es doch die eine oder andere Abwertung gegeben hat.
Daraus folgt die Wertung:
3 von 5 Punkte mit einem kleinen Plus


Welches Ende war für euch zuletzt unbefriedigend?
Euer Büchernerd




Kommentare:

  1. Klapptexte sind doch was Feines - letztens erst mit Miss DC darüber geredet. Manche beinhalten falschen Infos (da ist einer der Guten auf einmal ein Bösewicht o.O), andere spoilern einfach mal so ziemlich die ganzen knapp 500-Seiten ... *seufz* Leser-Probleme. ^^

    Obwohl die Idee dieses Buches eigentlich ganz interessant klingt, schrecken mich deine Kritikpunkte dann doch ab. Gerade bei Zeitreisen finde ich einen Ansatz einer Pseudo-Erklärung doch ganz nett (die von "Zeitsplitter" fand ich z.B. ganz einleuchtend und gut), zumal Zeitparadoxa schnell verwirrend werden können.
    Auch der Stil und die Charaktere klingen nicht wirklich verlockend - daher verzichte ich wohl lieber. ^^

    Liebe Grüße :)

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    1. Irgendwann lerne ich auch nochmal, richtig zu antworten... :'D

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  2. Aber da fragt man sich doch manchmal wer die Klappentexte mach und warum dann keiner was dagegen sagt? :D

    Das es nur Theorien gab, war im Moment des Buches irgendwie schon logisch aber sie waren halt viel zu abstrakt und theoretisch. Aber Zeitparadoxen wurden damit so halbwegs umgangen, woebi man auch nicht zu 100% weiß, warum.
    Zeitsplitter habe ich nie gelesen, weswegen ich da leider keinen Vergleich habe.
    Beim lesen war das mit den Charakteren gar nicht so schlimm, aber bei der Analyse danach war es dann halt doch schon auffällig ^^

    Liebe Grüße :)

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